Sind wir Medienabhängig?

Mit jeder technischen Neuerung, die wir uns zulegen, steigt auch unsere Abhängigkeit von eben diesen Geräten. Zumindest ist das der allgemeine Eindruck, den man bekommt wenn man unsere hochmoderne Gesellschaft aus der Distanz betrachtet. Sind wir tatsächlich abhängig von Smartphone, Internet und Fernsehen? Könnten wir uns noch unterhalten, wenn wir auf all diese Gadgets verzichten müssten? Hier ist unsere Theorie!

Fotolia #29788718 © Suprijono Suharjoto

Gehen wir ein paar Jahrzehnte zurück, war das höchste der Gefühle in Sachen Technik ein Fernseher, der Farben darstellen konnte. In den 1970er Jahren beispielsweise waren Fernsehgeräte ein absoluter Luxus, auch so etwas wie Plattenspieler war mehr oder weniger etwas besonderes. Man wusste sich also auch ohne diese Geräte zu beschäftigen, denn meistens war nur eines davon im Haushalt vorhanden und damit war es auch nicht zu jeder Zeit möglich, darauf zuzugreifen (weil man es eben mit anderen teilen musste).
Zu dieser Zeit hatten Gesellschaftsspiele noch einen hohen Stellenwert und das Ausgehen am Wochenende war das Highlight der Woche.
Heute, 40 Jahre später, verabreden wir uns spontan per Handy über Facebook und organisieren binnen weniger Minuten eine ganze Gruppe von Leuten. Jeder davon, oder fast jeder, mit eigenem Smartphone, bereit der Welt mal eben mit einem simplen Zweizeiler bescheid zu geben. Oder auch nicht.

Harald, ein Philosophiestudent aus Stuttgart, schreibt uns diese Frage. Wir haben ihn selbst zu seiner Meinung befragt:

Lost-Theories.com:
Harald, deine Frage bezieht sich wahrscheinlich vor allem auf die jüngere Generation von heute. Wie kommst du zu dieser durchaus berechtigten Frage?

Harald:
Ich studiere Philosophie und stehe daher viel mit Leuten in meinem Alter und auch jüngeren Studenten in Kontakt. Man trifft sich nicht nur in der Uni sondern auch am Wochenende auf Parties usw. Dabei fällt mir mehr und mehr auf, dass die Leute ständig in ihre Handydisplays starren müssen. Scheinbar alle paar Sekunden gibt es etwas, das interessanter ist als die Realität in der man sich befindet. Alles wird irgendwie so virtuelle. Mich als angehenden Philosophen beschäftigen solche Alltagserscheinungen, weil ich immer darüber sinniere wie es wohl in 10-20 Jahren sein wird. Und mir hat es eigentlich immer gut gefallen, mich persönlich mit Menschen auseinander zu setzen, ganz ohne technische Hilfsmittel zur Schein-Kommunikation.

Lost-Theories.com:
Du sagst „Schein-Kommunikation“ und deine Antwort klingt ganz danach, als wärst du sehr unzufrieden mit dieser Entwicklung der menschlichen Kommunikation. Aber musst du als Akademiker nicht auch zugeben, dass eben dieses Streben nach Weiterentwicklung schon immer fest im Menschen verankert war? Ohne diesen Drang neue Dinge auszuprobieren würden wir auch heute vielleicht noch in Höhlen hausen?

Harald:
Nein, nicht unzufrieden. Zumindest nicht mit der Technik an sich. Ich finde das ja toll, was wir für Möglichkeiten haben. Aber leider werden die meisten Menschen so schnell Sklave ihrer eigenen Entwicklung. Mir gefällt es nicht, wie sich viele darin verlieren. Den Nutzen dieser Geräte möchte ich nicht abstreiten.

Lost-Theories.com:
Verstehe. In deinen Augen sollten die Menschen also nicht darauf verzichten, aber den Entwicklungen und Neuerungen auch nicht zuviel Bedeutung beimessen?

Harald:
Exakt. Ich sehe es auch als Kritisch an, dass uns Weltkonzerne über eben diese Gadgets mehr und mehr kontrollieren und überwachen können. Was ist eure Theorie, warum sind so viele bereits medienabhängig?

Lost-Theories.com:
Sind sie es? Es gibt sicherlich bereits viele, vor allem jüngere Menschen, die nur schwer ohne die neu gewonnenen Hilfsmittel auskämen. Naja, das ist immer relativ. Lieber Harald, Danke für deine Frage und das kleine Interview!

Ok, hier kommen unsere Theorien:

Theorie 1: Wir sind Gewohnheits-„Tiere“
Sind wir medienabhängig? Sind wir abhängig von einem Handy mit Vertrag und mobilem Internet Tarif? Sind wir abhängig vom Computer? Wir sagen: Ja. In gewisser Weise haben sich diese Dinge fest in unserem Alltag verankert. Menschen blicken bereits nach dem Aufstehen auf ihr Mobiltelefon, um die neuesten Nachrichten abzurufen, mit Freunden zu schreiben und das Wetter des Tages zu prüfen. Sie richten ihren Alltag dementsprechend aus. Die Technik ist zu unserem primären Kommunikationsmittel geworden.
Davon betroffen ist vor allem die heranwachsende Generation. Gerade in jungen Jahren braucht es feste Rituale und Dinge, die Spaß bereiten. Unsere moderne Technik bereitet eine Menge Spaß. Und wir sind daran gewöhnt. „Nimm uns nicht, was wir lieben, sonst gibt es nichts, wofür wir aufstehen wollen.“

Theorie 2: Wir kennen es nicht anders
Auch diese Theorie trifft natürlich hauptsächlich auf Jugendliche und junge Erwachsene zu. Nur wer es nicht anders kennt, hat Probleme wenn es anders wird. Sag heute einem 50-jährigen, dass er auf sein iPad verzichten soll, und er sagt vermutlich so etwas wie „na wenn schon“. Warum? Früher gab es das auch nicht, er hat auch die letzten 49 Jahre ohne geschafft.
Sag das gleiche zu einem 13-jährigen: Er wird lieber auf Essen verzichten, als auf sein wichtigstes Gadget.

Habt ihr noch bessere Theorien? Was ist eure Meinung?

Ein Kommentar
  1. Enrico schrieb am :

    Hallo,
    ich bin zwar erst 22 aber ich zähle mich absolut nicht zu den mediensüchtigen!
    Mein Handy ist knapp 5 Jahre alt und ich nutze es ausschließlich zum telefonieren und ab und zu für eine SMS.
    mir ist das alles zu blöde und ich kann es auch nicht nachvollziehen, wenn ich ehrlich bin – also dieses ganze Gehabe mit den Handys, Facebook, Twitter etc.
    Ich komm gut ohne aus, und in meinem Freundeskreis ist das auch nicht so extrem.

    Warum? Ich bin so erzogen worden und mir fehlt nichts.
    Gruß,
    Enrico

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